Wem gehört das Geld, also Münzen und Scheine, die die Europäische Zentralbank ausgibt? Dem Staat, dem Bürger, der es besitzt? Kann man es überhaupt besitzen, oder benutzt man es nur? (Diese Frage hat Paul Eisenblätter aus Mülsen im Landkreis Zwickau gestellt.)
Man muss bei dieser Frage zunächst unterscheiden, in welcher Form die Geldwerte vorliegen. Alle Einlagen, die ein Bürger beispielsweise bei einer Bank hat, sind kein Eigentum im eigentlichen Sinne. Es besteht lediglich das Recht des Kontoinhabers, sich auf Wunsch den auf dem Konto liegenden Betrag ganz oder in Teilen auszahlen zu lassen.
In diesem Moment der Auszahlung verändert der Geldwert seine Form – er kommt in Banknoten und Münzen daher, ist also physisch wirklich vorhanden. Dieses Geld wurde zunächst von Druckereien und Münzprägeanstalten hergestellt und über die deutschen Landesbanken und privaten Geschäftsbanken an deren Kunden ausgegeben. Sobald diese die Scheine und Münzen in ihren Händen halten, sind sie auch die rechtmäßigen Eigentümer des Geldes.
Denn in Deutschland und auch in den Ländern Europas, die den Euro eingeführt haben, gilt Geld in Schein- oder Münzform als „Sache“, dessen Besitzrecht auf den Eigentümer übergeht. Es gibt allerdings Länder, in denen auch die im Umlauf befindlichen Scheine und Münzen Eigentum der Zentralbank bleiben. Das ist zum Beispiel in den USA so. Deshalb darf dort auch niemand Dollar-Noten oder Dollar-Münzen zerstören.
Ähnlich ist es in Thailand, wo zudem jeder Baht-Geldschein das Konterfei des im vergangenen Oktober verstorbenen Königs Bhumipol trägt. Eine Zerstörung der Banknoten wäre eine schwere Majestätsbeleidigung und würde mit Gefängnis geahndet. In Deutschland kann man dagegen mit seinen Euronoten und Münzen machen, was man will. (kaip)